Killing Time
Killing Time ist ein Ego-Shooter, in dem sich der Spieler auf dem verlassenen Inselanwesen einer wohlhabenden Familie wiederfindet, wo in den zwanziger Jahren ein okkultes Ritual stattfand. Die Erkundung erstreckt sich über miteinander verbundene Innenräume und Außengärten; man sucht Schlüssel und Gegenstände, die weitere Teile des Anwesens öffnen, während man sich gegen Angriffe gespenstischer Gegner verteidigt, von wiederbelebten Leichen bis zu seltsamen mechanischen Wesen. Das Arsenal reicht von primitiven Waffen bis zu leistungsfähigeren Exemplaren, und Teil des Fortschritts ist das Verfolgen von Hinweisen, die nach und nach erklären, was in dem Haus tatsächlich geschehen ist. Das Anwesen ist dabei als zusammenhängendes Ganzes gestaltet, in dem ein gefundener Schlüssel eine Tür zwei Stockwerke weiter öffnet, sodass der Spieler immer wieder an Orte zurückkehrt, die er bereits durchquert hat.
Das interessanteste Element waren die direkt in die Umgebung eingebetteten Realfilmsequenzen: An bestimmten Stellen erschienen Geister der einstigen Bewohner und spielten kurze Szenen aus der Vergangenheit ab. Diese Idee war ihrer Zeit voraus und verlieh dem Spiel eine außergewöhnliche Atmosphäre — die Geschichte wurde nicht durch einen unterbrechenden Film erzählt, sondern spielte sich um den Spieler herum ab, während er sich durch das Haus bewegte. Die Klanggestaltung setzte auf bedrückende Stille, Knarren und plötzliche Geräusche, sodass die Insel wie ein wirklich unwirtlicher Ort wirkte, an dem niemand jemals wirklich allein ist. Die Kombination aus Realfilmmaterial und Spielumgebung zeigte zudem, dass sich die CD klüger nutzen ließ als nur zum Abspielen einer langen Filmeinlage zwischen den Levels.
Die 3DO-Fassung gehörte zu den optisch besseren Shootern der Konsole, mit recht detaillierten Texturen und großen Levels, was durch eine langsamere Bewegungsgeschwindigkeit erkauft wurde. Rezensenten lobten die Atmosphäre und die Weitläufigkeit des Anwesens, Kritik gab es am Tempo und daran, dass sich das Umherirren in die Länge ziehen konnte. Der Einfluss zeigt sich in späteren Horrorspielen, die ihre Geschichte über die Umgebung und gefundene Aufzeichnungen statt über lange Dialoge erzählen. Heute besticht Killing Time gerade durch diese Verbindung von gefilmten Geistern und Erkundung, auch wenn sich die Steuerung ohne modernes Zielen erst gewöhnen muss.
Spiel 10 von 27 für 3DO Interactive Multiplayer