The 7th Guest
The 7th Guest kam für den Philips CD-i als Umsetzung eines der berühmtesten Titel der frühen CD-ROM-Ära heraus und zählt zu den stärksten Einträgen im Katalog der Plattform. Der Spieler bewegt sich durch die verlassene Villa des Spielzeugmachers Henry Stauf, in der sich vor Jahren sechs Gäste versammelten und aus der niemand zurückkehrte. Das gesamte Haus ist eine verbundene Sammlung von Rätseln: Schachvarianten, Verschiebespiele, Labyrinthe, Wortspiele und Logikrätsel, die gelöst werden müssen, um weitere Räume zu öffnen. Dazwischen erscheinen in der Luft die Geister der ursprünglichen Gäste und enthüllen stückweise, was im Haus geschah.
Das Spiel war seinerzeit eine technische Sensation, weil es vorgerenderte dreidimensionale Umgebungen mit einem flüssigen Gang durch die Flure und mit direkt in die Szenen eingefügten Schauspielern verband. Genau das machte es zum Vorzeigetitel für CD-Laufwerke, und die Übertragung auf CD-i war folgerichtig: Die Plattform setzte auf Video von der Disc und den heimischen Anschluss an den Fernseher. Die Cursorsteuerung per Controller ist langsamer als eine Maus, doch bei einem Spiel, das auf ruhigem Nachdenken beruht, stört das kaum. Klang und Musik, einschließlich des berühmten Themas und der gespenstisch geflüsterten Stimmen, gehören zum Besten, was dieses Genre hervorgebracht hat.
Der Erfolg von The 7th Guest prägte maßgeblich das Gesicht der Spiele Mitte der neunziger Jahre und löste eine Welle von Titeln aus, die auf Schauspielern und umfangreichen Videosequenzen aufbauten. Die zeitgenössische Kritik lobte den Einfallsreichtum der Rätsel und die Atmosphäre, Vorbehalte richteten sich vor allem darauf, dass die Geschichte eher Kulisse zwischen den Rätseln sei. Heute funktioniert das Spiel als hervorragend abgestimmtes Horrorerlebnis für geduldige Spieler: Die Rätsel altern gut, weil sie auf reiner Logik beruhen, und das leere Haus mit knarrendem Holz und undeutlichen Stimmen erzeugt bis heute unangenehme Spannung. Wer ausprobieren möchte, womit sich Spiele beim Aufkommen der CD-Medien brüsteten, findet hier einen der wenigen Titel, der auch als vollwertige Unterhaltung besteht, nicht nur als technische Demonstration.
Spiel 6 von 13 für Philips CD-i
Derselbe Titel woanders (1)
Beide Konsolenfassungen mussten den anspruchsvollen Mix aus Videosequenzen und vorgerenderter Grafik des PC-CD-ROM-Originals auf Heimhardware übertragen und dabei mit den Einschränkungen der damaligen CD-Laufwerke zurechtkommen. Die 3DO-Fassung von 1994 profitierte davon, dass die Konsole gezielt für Videowiedergabe gebaut war, sodass Rätsel und Clips mit Stauff recht originalgetreu wirken, wenn auch mit Ladepausen. Die Philips-CD-i-Fassung desselben Jahres läuft auf etwas schwächerer Hardware, und ihr komprimiertes Video wirkt tendenziell etwas weicher, was sie zu einer der bescheideneren Umsetzungen des Spiels macht.