Heretic
Heretic baute auf der Doom-Engine auf, hüllte sie aber in eine Fantasy-Kulisse, magische Waffen und die Möglichkeit zu fliegen, was das Spiel zu einem etwas interessanteren Kandidaten für ein Headset machte als seinen Vorgänger, denn das Fliegen über die Landschaft gab der stereoskopischen Darstellung des Forte VFX1 einen natürlichen Daseinsgrund. In der Rolle eines elfischen Kriegers kämpft der Spieler gegen die Armeen von D'Sparil mit Waffen wie dem Schlangenstab, dem Feuerball oder dem magischen Bogen, und der Weg durch gotische Burgen und Verliese versuchte, düsterer und ausgefeilter zu wirken, als es Shooter dieser Zeit üblicherweise boten, unter anderem mit Elementen wie einem Tränke-Inventar und schnellen Übergängen zwischen verbundenen Levels.
Auf dem VFX1 stieß das Spiel allerdings an dieselben technischen Grenzen wie die gesamte Generation von Doom-abgeleiteten Engines, also die niedrige Auflösung des Headsets, die detailliertere Texturen von Burgen und Monstern zu einem verwaschenen Fleck machte, sowie das eingeschränkte Sichtfeld, das verhinderte, den Raum so eingeengt und klaustrophobisch wahrzunehmen, wie es die Entwickler beabsichtigten. Die Flugmöglichkeit, wenn auch im Spiel nur vorübergehend per Zauber, brachte zudem ein Risiko stärkerer Desorientierung mit sich, da die Kombination aus vertikaler Bewegung und Stereoskopie für die damaligen Headsets ohne Übelkeitsgefühl schwer zu bewältigen war, weshalb Spieler den Flugzauber im VFX1 eher auf kurze Erkundungsausflüge beschränkten.
Heretic wird heute als wichtiges Bindeglied zwischen reinen Sci-Fi-Shootern und späteren Fantasy-Action-RPGs betrachtet, mit atmosphärischer Musik und einem einfallsreichen System magischer Gegenstände, das auch zur Grundlage für den Nachfolger Hexen wurde. Die Wahl zwischen mehreren Waffentypen, von denen jede eine unterschiedliche Wirkung gegen verschiedene Monsterarten hat, brachte in das von Doom abgeleitete Genre eine neue Ebene taktischer Entscheidungen, die Spieler und Rezensenten der damaligen Zeit als Auffrischung des etablierten Musters schätzten. In der Geschichte des VFX1 bleibt es ein Beispiel für ein Spiel, bei dem die Ambitionen des Leveldesigns auf die harte Realität der damaligen Hardware trafen, und das Headset diente eher als Demonstration von Möglichkeiten denn als vollwertige Spielweise für den durchschnittlichen Spieler.
Warum spielen: Wer taktische Waffenwahl und atmosphärische Musik zu schätzen weiß, findet in Heretic ein wichtiges Bindeglied zwischen Sci-Fi-Shootern und Fantasy-RPGs, auch wenn das Headset eher als Demonstration von Möglichkeiten diente.
Spiel 4 von 12 für Forte VFX1