Soul Sacrifice
Soul Sacrifice ist eine düstere Antwort auf die Frage, wie ein kooperatives Monsterjagd-Spiel aussehen könnte, wenn es sich statt an heiterer Fantasy an einem grausamen Märchen orientierte. Der Spieler ist Gefangener eines Zauberers namens Magusar, und das Einzige, was ihm zur Verfügung steht, ist ein lebendiges Buch, das von vergangenen Schlachten erzählt — jede seiner Lektüren bedeutet eine weitere Mission. Ziel ist es, ein Untier zu besiegen, das einst ein Mensch war, und sich dann zu entscheiden: seine Seele retten oder sie opfern. Die Wahl ist nicht kosmetisch, sie verändert die Werte der Figur, die verfügbaren Fähigkeiten und den Ton der Geschichte, und das Spiel lässt den Spieler dabei nie ganz reinen Gewissens fühlen.
Der Kampf findet in Arenen gegen einen oder mehrere große Gegner statt und baut auf Zauber mit begrenzter Anzahl an Anwendungen auf. Vor der Mission stellt der Spieler sich sechs Slots zusammen und verbraucht sie im Kampf, sodass Improvisation notwendig ist und Sparen sich nicht auszahlt. Der eigene Körper kann für einen vernichtenden Angriff geopfert werden, um den Preis einer dauerhaften Schwächung, was das Spiel unter ständigem Druck hält. Kooperation für bis zu vier Spieler war damals der Hauptreiz, und das Opfersystem erhielt darin eine neue Bedeutung: Ein gefallener Gefährte konnte wiederbelebt oder für die eigene magische Energie ausgesaugt werden. Die einzelnen Missionen sind kurz, meist zehn bis fünfzehn Minuten, sodass der Aufbau des Spiels genau dem entspricht, wie man auf einer tragbaren Konsole tatsächlich spielt.
Optisch ist es eines der rohesten Werke auf der Vita — eine blasse Palette, blutige Motive, aus menschlichen Überresten zusammengenähte Monster und eine Oberfläche, die als Seiten eines alten Buches präsentiert wird. Erzähler ist das Buch selbst, und sein geschriebener Kommentar ändert sich je nach Entscheidung des Spielers, sodass auch wiederholte Expeditionen jedes Mal einen anderen Beigeschmack haben. Die Musik ist orchestral und opernhaft, mit weiblichen Gesangsstimmen, die die Kämpfe in Richtung Klagelied verschieben. Rezensionen lobten das Spiel für seine Idee und den düsteren Ton, Vorbehalte richteten sich gegen sich wiederholende Umgebungen. Die Entwickler veröffentlichten später eine erweiterte Fassung, Soul Sacrifice Delta, und die Marke baute sich eine treue Anhängerschaft auf, die sie bis heute als eigenständigste Alternative zum Genre der Monsterjagd in Erinnerung behält. Heute bremst es vor allem, dass der Mehrspielermodus davon abhängt, wen man überhaupt auftreiben kann.
Spiel 6 von 122 für Sony PlayStation Vita