The Operative: No One Lives Forever
The Operative: No One Lives Forever ist eine Spionage-Action, die sich über die Sechzigerjahre und Geheimagentenfilme lustig macht, ohne dabei je aufzuhören, ein gutes Spiel zu sein. Der Spieler übernimmt die Agentin Cate Archer, die sich von einer einfachen Angestellten einer Geheimorganisation bis zur Aufdeckung einer Verschwörung hocharbeitet und dabei Marokko, Deutschland, ein sinkendes Schiff, eine sibirische Basis und sogar eine Orbitalstation besucht. Die Missionen kombinieren Schleichen, Feuergefechte und Zielerfüllung, wobei das Spiel den Spieler nie zu einer einzigen Lösung zwingt: Man kann sich an Wachen vorbeischleichen, Gespräche belauschen, Schlösser knacken oder einfach die Waffe ziehen und laut vorgehen.
Seinen Charakter erhält das Spiel durch seine Gadgets, etwa ein Abhörgerät in einer Puderdose, eine Haarspange zum Knacken von Schlössern, ein Parfüm mit Schlafgas oder ein Feuerzeug, das als Schweißbrenner funktioniert. Die Dialoge der feindlichen Wachen gehören zu den unterhaltsamsten, die je im Genre geschrieben wurden, denn sie sind wie kleine Comedy-Szenen verfasst, die der Spieler nur dann hört, wenn er sich die Mühe eines leisen Vorgehens macht. Technisch setzte das Spiel auf die LithTech-Engine, die weitläufige Außenszenen, farbenfrohe Umgebungen und ordentliche Charakteranimationen bewältigte, und obwohl es damalige Rechner durchaus fordern konnte, ist der visuelle Stil mit kräftigen Farben und einem an zeitgenössische Plakate erinnernden Grafikdesign gut gealtert. Die Musik mit Spionage-Jazz und Beat-lastigen Motiven rundet das Ganze ab.
Die Kritik nahm das Spiel begeistert auf und zählte es zu den besten Titeln des Jahres, doch die kommerziellen Ergebnisse blieben weit hinter dem Echo zurück. Trotzdem gewann es eine treue Anhängerschaft, bekam eine Fortsetzung und taucht bis heute in Debatten über Spiele auf, die ein Comeback verdienen. Sein Einfluss zeigt sich in Actionspielen, die Humor, Stil und Freiheit der Herangehensweise mischen statt auf nackten Realismus zu setzen. Heute ist es einer der charismatischsten Shooter seiner Ära, nur getrübt von zeittypischen Unarten wie gelegentlich gnadenlosem Schwierigkeitsgrad oder Missionen, bei denen ein einziger Fehler das Ende bedeutet.
Spiel 11 von 229 für PC / Pentium a Windows 9x