Ninja Five-O
Ninja Five-O gehört zu jenen Titeln, die beweisen, dass die Entwickler von Natsume selbst in der Spätphase des Lebenszyklus des Game Boy Color noch eine überraschend ausgefeilte Action aus der veralteten Hardware herausholen konnten. Der Spieler übernimmt die Rolle des Polizeiagenten Joe Osugi, der sich als Ninja verkleidet aufmacht, um Geiseln aus den Händen einer terroristischen Organisation zu befreien, die sich in einem verlassenen Gebäude verschanzt hat. Das Spiel verbindet schnelle Jump'n'Run-Passagen mit einem Kampfsystem, das auf einem Schwert, Wurfsternen und vor allem einem Enterhaken basiert, mit dem sich die Figur zwischen Trägern hin- und herschwingt, Abgründen entkommt, Lücken zwischen Gebäuden überspringt und ansonsten unzugängliche Teile der Level erreicht — wodurch aus dem bloßen Vorankommen nach rechts durchdachte Akrobatik wird.
Die grafische Umsetzung zählt zum Besten, was jemals für den GBC erschien — die Animationen der Figur sind flüssig, die Hintergründe detailliert, die Kulissen wechseln zwischen Bürogeschossen, Lagerhallen und Dächern, und das Tempo des Spiels steht Action-Titeln aus den Spielhallen in nichts nach. Das Leveldesign legt den Schwerpunkt auf die Rettung von Geiseln innerhalb eines Zeitlimits, wodurch sich das Spiel von einem simplen Jump'n'Run-Lauf hin zu einem durchdachten Risiko-Belohnungs-Management verschiebt, da der Spieler zwischen schnellem Vorankommen und gründlichem Absuchen jeder Etage wählen muss. Die musikalische Untermalung unterstreicht die angespannte Atmosphäre eines Actionfilms und erzeugt zusammen mit der sorgfältig abgestimmten Steuerung den Eindruck, das Spiel sei einige Jahre früher entstanden, als es tatsächlich in die Läden kam — nämlich 2003, als der Game Boy Advance bereits auf dem Markt war und der GBC langsam ausklang.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wurde das Spiel vor allem von Fachrezensenten gelobt, die das technische Niveau und das einfallsreiche Design hervorhoben, auch wenn der Titel kommerziell aufgrund seines späten Erscheinens auf einer alternden Plattform praktisch unterging und viele Spieler ihn gar nicht wahrnahmen. Heute gilt Ninja Five-O als eines der verborgenen Juwelen der Game-Boy-Color-Bibliothek, und sowohl Sammler als auch Fans von Action-Jump'n'Runs zählen es zur Pflichtlektüre für jeden, der sehen möchte, wozu Nintendos Handheld in seinen letzten Jahren technisch und spielerisch fähig war.
Spiel 77 von 129 für Game Boy Color