Cardboard Design Lab
Cardboard Design Lab wurde von Google als interaktive Demo und zugleich als Leitfaden für Entwickler wie auch normale Nutzer geschaffen, die ausprobieren wollten, welche Interaktionen mobile virtuelle Realität überhaupt zulässt und wo ihre natürlichen Grenzen liegen. Die App bot eine Reihe kurzer Szenen, in denen der Spieler die Bedienung eines Aufzugs, die Steuerung eines Tentakels, eine Schaukelfahrt, die Bewegung über Plattformen oder die Interaktion mit einem virtuellen Bedienfeld ausprobieren konnte, jede Szene als eigenständige Demonstration eines anderen Spielmechanismus.
Ziel war nicht eine durchgehende Geschichte oder Herausforderung, sondern eher ein Katalog von Möglichkeiten, den Entwickler als Inspiration für die Gestaltung eigener Cardboard-Apps nutzen konnten, ergänzt um kurze Kommentare, die Vor- und Nachteile jedes Ansatzes erläuterten, etwa warum es ratsam ist, schnelle virtuelle Bewegung ohne entsprechende körperliche Bewegung zu vermeiden, um Reisekrankheit vorzubeugen. Technisch war die App genügsam, da die einzelnen Szenen minimalistisch gehalten waren und rein demonstrativen Zwecken dienten, statt ein vollwertiges Erlebnis zu sein.
In der Geschichte von Cardboard nimmt Design Lab einen besonderen Platz ein als eine der wenigen Apps, die sich eher an Entwickler als an Endspieler richteten, und viele spätere Cardboard-Spiele wiederholten unbewusst genau die Muster, die diese App als Erste systematisch vorführte und benannte. Heute wirkt sie als interessantes historisches Dokument der frühen Phase der mobilen VR, als die gesamte Branche erst noch herausfand, was aus Designsicht unbedenklich war und was bei Spielern bereits Reisekrankheit oder den Verlust der räumlichen Orientierung auslöste. Für viele Menschen war es zudem die allererste Gelegenheit, kostenlos und ohne ein bestimmtes Spiel kaufen zu müssen, mit virtueller Realität in Berührung zu kommen, da die App frei herunterladbar war und dafür nur das Cardboard selbst sowie ein ohnehin vorhandenes Telefon nötig waren. Diese Idee in konkrete, greifbare Szenen wie eine Aufzugfahrt oder die Steuerung eines virtuellen Tentakels zu übersetzen, erwies sich als kluger Schachzug, weil Entwickler wie auch Interessierte sich dadurch schnell ein eigenes Bild davon machen konnten, was auf der jeweiligen Plattform technisch tatsächlich machbar war und was nicht.
Warum spielen: Für an der Geschichte des VR-Designs Interessierte und für alle, die kostenlos und ohne ein Spiel kaufen zu müssen, zum ersten Mal ausprobieren wollten, wie virtuelle Realität eigentlich funktioniert.
Spiel 10 von 12 für Google Cardboard