Balance of Power
Balance of Power ist eine geopolitische Strategie, in der der Spieler als Anführer der USA oder der Sowjetunion ein weltweites Netz von Verbündeten in der Ära des Kalten Krieges verwaltet. Ziel ist nicht der militärische Sieg, sondern der Erhalt und Ausbau des Einflusses durch Diplomatie, Wirtschaftshilfe und verdeckte Operationen, wobei das Spiel übertriebene Aggressivität ausdrücklich bestraft - eine Eskalation eines Konflikts bis zum Atomkrieg beendet das Spiel sofort und verkündet mit ironischem Kommentar, dass niemand gewonnen hat. Dieses Designelement machte Balance of Power zu einer einzigartigen Erfahrung unter den Strategiespielen seiner Zeit, da es den Spieler zwang, eher nachhaltige, langfristige Lösungen für Konflikte zu suchen als eine simple militärische Eskalation.
Entworfen wurde das Spiel von Chris Crawford, und auf dem Atari ST spielte man über eine übersichtliche Weltkarte, auf der der Spieler die politische Lage in den einzelnen Ländern verfolgt und auf Krisen reagiert, die sowohl vom Gegner als auch durch lokale Konflikte ausgelöst werden. Entscheidungen werden über einfache Menüs und diplomatische Optionen getroffen, sodass das Spiel eher auf das Durchdenken der Konsequenzen als auf schnelle Reaktionen oder grafische Action setzte. Nach jedem Zug bietet das Spiel zudem eine kurze Begründung, warum der Gegner genau so reagiert hat, was dem Spieler hilft, die Logik des Systems zu verstehen und aus eigenen Fehlern zu lernen.
Balance of Power wurde Mitte der Achtzigerjahre als intellektuell anspruchsvoller und ungewöhnlich ernsthafter Versuch wahrgenommen, die reale politische Realität des Kalten Krieges in ein Computerspiel zu übertragen, und erlangte Respekt weit über die traditionelle Spielerschaft hinaus, auch bei Kommentatoren aus den Bereichen Bildung und internationale Beziehungen. Das Spiel wird bis heute als eines der ersten Beispiele sogenannter Serious Games zitiert - Titel, die nicht nur unterhalten, sondern auch über die reale Welt lehren wollen. Auch mit Jahrzehnten Abstand bleibt es interessant als Beleg dafür, dass das Strategiegenre schon in den Achtzigerjahren über die bloße Eroberung von Territorium hinausgehen konnte.
Warum spielen: Für Spieler mit Interesse an Politik und der Geschichte des Kalten Krieges - einer der ersten Titel, der nicht nur unterhalten, sondern auch über die reale Welt lehren wollte.
Spiel 51 von 72 für Atari ST