Psychonauts 2
Psychonauts 2 erschien sechzehn Jahre nach dem Original, und es ist geradezu verblüffend, wie selbstverständlich es daran anknüpft. Raz Aquato erreicht endlich die Zentrale der geheimen Organisation psychischer Agenten, doch statt eines gefeierten Empfangs erwarten ihn ein Praktikum, Putzdienste und eine Verschwörung, die tief in die Vergangenheit der Gründer zurückreicht. Die Grundlage bleibt ein Jump-and-Run mit Erkundung und Sammeln, doch die eigentliche Attraktion sind die Levels, die im Inneren menschlicher Köpfe spielen — jeder mit einer eigenen visuellen Sprache, abgeleitet davon, woran die betreffende Person leidet oder was sie zu unterdrücken versucht. Das Spiel knüpft lose auch an eine kurze, zwischen den Teilen veröffentlichte Episode an, Neueinsteigern entgeht dabei aber nichts Wesentliches.
Das Gameplay verbindet Plattform-Bewegung mit einem Arsenal psychischer Fähigkeiten: Telekinese, Entzünden, Zeitverlangsamung, eine Kugelform für schnelle Fortbewegung oder eine mentale Verbindung, die Raz entlang eines Gedankenfadens zieht. Die Fähigkeiten lassen sich miteinander verketten, und das Spiel setzt sie sowohl in Kämpfen als auch bei Rätseln ein. Entscheidend ist aber der Ton — die Geschichte behandelt Ängste, Sucht und Trauma ernsthaft und einfühlsam, ohne dabei je aufzuhören, witzig und verspielt zu sein, eine Kombination, die nur wenigen gelingt. Das Spiel ist zudem außerordentlich entgegenkommend — es bietet optionale Vereinfachungen sowohl für Kämpfe als auch für Plattform-Passagen, sodass auch jemand hineinfindet, den vor allem die Geschichte interessiert.
Gestalterisch ist es eines der einfallsreichsten Spiele seiner Zeit; jede Welt hat ihre eigene Palette und ihre eigene Logik, vom Kochwettbewerb bis zur Krankenhausumgebung, die aus Erinnerungsfetzen zusammengesetzt ist. Die Musik wechselt ebenso wie die Welten und unterstreicht in Schlüsselmomenten hervorragend die Emotionen. Die Aufnahme fiel exzellent aus, das Spiel sammelte Auszeichnungen ein und wird häufig unter den besten Veröffentlichungen seines Jahres genannt. Heute lässt es sich auch Menschen empfehlen, die den ersten Teil nie gespielt haben — die Geschichte wird ausreichend erklärt, und die handwerkliche Umsetzung liegt Generationen vor dem Vorgänger. Die Synchronisation ist erstklassig, und die Dialoge ändern sich oft je nachdem, wen man gerade im Team hat.
Spiel 54 von 204 für Xbox One