Terrors – boxart
WSBandai WonderSwan

Terrors

Hororová adventura 2000 Bandai ⏱ Kurz · bis ~3 Std. 🔞 18+
Terrors – Aus dem Spiel
Aus dem Spiel
Terrors – Titelbildschirm
Titelbildschirm

Ein ungewöhnlicher Versuch, auf einem monochromen Display Schrecken zu erzeugen, ohne einen einzigen lauten Schockmoment.

Terrors ist einer der eigenwilligsten Versuche, die je auf dem WonderSwan erschienen sind, denn es will auf einem kleinen monochromen Display Angst erzeugen, ohne einen einzigen lauten Schreckmoment. Das Spiel setzt sich aus kurzen Horror-Episoden zusammen, die den Spieler in unangenehme Situationen versetzen und ihn durch Erkunden der Umgebung, Suchen von Gegenständen und Lösen kleiner Rätsel vorankommen lassen. Das Tempo ist langsam und bewusst unbequem. Statt auf Action setzt es auf Stille, auf Andeutung und auf das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, ein Ansatz, der der japanischen Horrortradition weit näher steht als den westlichen Gruselaktionsspielen jener Zeit.

Die Atmosphäre trägt vor allem die visuelle Seite und der Klang. Das Schwarzweißbild mit seiner groben Auflösung hilft paradoxerweise, denn Details bleiben unausgesprochen, und die Vorstellungskraft ergänzt sie unheimlicher, als es je ein Grafiker zeichnen könnte. Die Klangspur ist sparsam, oft eher Rauschen und einzelne Töne als Melodien, und in stiller Umgebung wirkt sie überraschend stark. Das Spiel spielt auch damit, wann der Spieler es einschaltet, sodass nächtliches Spielen nicht dasselbe ist wie Spielen bei hellem Tageslicht, und diese Idee hebt es aus der üblichen Handheld-Produktion heraus.

Zeitgenössisch blieb Terrors eine Randerscheinung. Es war ein Experiment auf einer Konsole, die selbst eine Minderheitenwahl war, und außerhalb Japans wusste man praktisch nichts davon. Genau deshalb erinnern sich Sammler und Kenner heute daran als Beleg dafür, dass der WonderSwan nicht nur eine Plattform für lizenzierte Anime-Spiele und Logikspielereien war, sondern auch für Ideen, die auf großen Konsolen niemand finanziert hätte. Wer die Sprachbarriere überwinden kann und keine Action erwartet, findet hier ein ungewöhnliches, stimmungsvolles Spiel, dessen Reiz gerade darin liegt, was es nicht zeigt. Am besten spielt es sich im Dunkeln, mit Kopfhörern und ohne Eile, also genau so, wie es sich für Horror gehört, und unter solchen Bedingungen kann selbst eine einfache Schwarzweißgrafik einen unangenehmen Schauer über den Rücken jagen. Gerade diese Sparsamkeit macht Terrors zu einem Titel, der weit besser altert als zeitgenössische Versuche eines realistischen Horrors.

Spiel 27 von 27 für Bandai WonderSwan