Tearaway
Tearaway ist ein Spiel, das nicht einen einzigen Moment lang vorgibt, auf einem anderen Gerät zu laufen, als es tatsächlich tut. Seine ganze Welt besteht aus Papier, und der Spieler betritt sie nicht als unsichtbare Kamera, sondern als buchstäblich anwesende Figur: Im Himmel dieser Papierwelt klafft ein Loch, und darin erscheint das eigene Gesicht, aufgenommen von der Frontkamera der Vita. Der Bote Iota, beziehungsweise sein Gegenstück Atoi, trägt eine Botschaft, die genau an einen selbst gerichtet ist, und der Weg zu ihrer Zustellung führt durch Wälder, Berge und seltsame Städte, geklebt aus Karton, Pappe und buntem Papier.
Media Molecule baute das Gameplay darauf auf, dass der Spieler von außen in die Welt greift. Finger schieben sich durch das hintere Touchpad und erscheinen im Level als riesige Fingerspitzen, mit denen sich ein Hindernis beiseiteschieben oder ein Gegner in die Luft schleudern lässt. Trommeln werden per Tippen zum Klingen gebracht, Papierobjekte werden mit dem Finger entlang einer gezeichneten Linie ausgeschnitten, und die eigenen Zeichnungen und Fotos tauchen dann an Figuren und in der Umgebung auf. Der Plattformer-Teil ist bewusst sanft und zugänglich gehalten, der Schwerpunkt liegt auf dem Entdecken und darauf, was der Spieler selbst in die Welt einbringt. Nach und nach kommen kreative Aufgaben hinzu: Die Bewohner wünschen sich eine Krone, einen Eichhörnchenpelz oder einen Schmetterling, der Spieler schneidet ihn direkt auf dem Touchscreen aus buntem Papier aus, und die Schöpfung bleibt im Level erhalten und trägt seine eigene Handschrift.
Optisch ist es eines der eigenständigsten Werke der ganzen Generation — alles hat sichtbare Falten, Knicke und Papierfasern, Schatten fallen wie bei einem Modell auf einem Tisch, und Musik mit Folk-Instrumenten und gesummten Melodien hält das Ganze zusammen. Zeitgenössisch wurde das Spiel hervorragend aufgenommen und galt oft als bestes Argument dafür, sich eine Vita zuzulegen, wobei ihm nur seine Kürze vorgeworfen wurde. Später entstand eine erweiterte Fassung für die PlayStation 4, doch gerade das Original ergibt am meisten Sinn: Ohne die Touchpads, die Kamera und das Mikrofon der Vita könnte die Hälfte seiner Ideen gar nicht existieren. Heute wirkt es wie ein kleines, persönliches Geschenk und nicht wie eine Technikdemo, und das ist selten.
Spiel 4 von 122 für Sony PlayStation Vita