1080° Snowboarding
Als 1080° Snowboarding 1998 auf dem Nintendo 64 landete, war das ein kleines Wunder in einer Welt, in der sich Snowboarding auf Konsolen erst noch suchte. Statt übertriebener Arcade-Action setzte Nintendo auf etwas damals Ungewöhnliches: das Gefühl der Physik. Der Fahrer verhielt sich am Hang wie eine reale Masse, das Brett kantete auf, schnitt durch den Pulverschnee und schickte einen bei einer schlechten Landung gnadenlos zu Boden. Das Spiel verlangte, dass man lernte, das Gelände zu lesen und Tricks zu timen, nicht bloß Knöpfe zu drücken.
Die Entwicklung übernahm Nintendos interne Abteilung Nintendo EAD, also dasselbe Umfeld, aus dem Mario und Zelda hervorgingen, und das war an der handwerklichen Präzision zu erkennen. Die 1080° im Namen verweisen auf drei volle Drehungen in der Luft, den Königs-Trick, der zum Symbol des Spiels wurde. Zur Verfügung standen eine Handvoll Fahrer und Bretter, Zeitfahren, eine Half-Pipe und Kopf-an-Kopf-Rennen, doch das Herz des Erlebnisses blieb jenes greifbare Gewicht der Bewegung.
Grafisch profitierte das Spiel von der fantastischen Arbeit mit Licht und Schneetextur; für N64-Verhältnisse sahen die Hänge außerordentlich überzeugend aus. Der Soundtrack aus Band-Klängen und elektronischen Loops rundete die kühle, konzentrierte Atmosphäre des Wintersports ab. Es war keine grelle Party, sondern eine zen-artige Fahrt, bei der man jeden Bogen spürte.
Kulturell zeigte 1080° Snowboarding, dass ein Sportspiel von Nintendo nicht nur Familienspaß sein muss, sondern auch eine unerwartet anspruchsvolle Disziplin für Spieler, die den Hang bis ins Detail beherrschen wollen. Das Spiel erhielt eine Fortsetzung, 1080°: Avalanche auf dem GameCube, und gilt bis heute als einer der würdigen Beweise, dass sich Snowboarding auf der Vierundsechziger mit Respekt anpacken ließ.
Dank der Kombination aus realistischem Fahrmodell, feinabgestimmter Steuerung und typischer Nintendo-Sorgfalt ist es überraschend gut gealtert. Wer heute zum Controller greift, versteht schnell, warum sich dieses Spiel eine treue Anhängerschaft aufgebaut hat.
Warum spielen: Für das unerwartet ehrliche Fahrgefühl und jene süße Frustration, wenn man endlich einen Trick schafft, der einem lange nicht gelingen wollte.
Spiel 41 von 77 für Nintendo 64