Virtua Fighter
Stellen Sie sich eine überfüllte japanische Spielhalle des Jahres 1993 vor, in der sich um einen einzelnen Automaten eine Menschentraube bildet. Auf dem Bildschirm prallen in scharfen Polygonen zwei Kämpfer aufeinander, die sich auf eine Weise bewegen, wie es bis dahin kein Kampfspiel gezeigt hatte. Das war Virtua Fighter vom Team Sega AM2 unter der Leitung von Yu Suzuki und der Moment, der die Richtung des gesamten Genres für immer veränderte.
Virtua Fighter war der erste vollständig dreidimensionale Kampftitel, der Polygongrafik nutzte, gebaut auf der neuen Sega-Model-1-Platine. Wo die damalige Konkurrenz auf digitalisierte Sprites und Kombomanöver setzte, ging Suzukis Team den umgekehrten Weg: Die Steuerung hatte nur drei Tasten (Schlag, Tritt, Block), doch hinter dieser Einfachheit verbarg sich ein überraschend tiefes System, das auf echten Kampfkünsten beruhte. Jede der acht Figuren repräsentierte einen realen Stil, von Bajiquan bis Judo, und es gewann, wer Abstände, Timing und das Lesen des Gegners besser beherrschte.
Die Bedeutung des Spiels reicht über den Automaten selbst hinaus. Die Betonung realistischer Bewegungen, Physik und räumlicher Wahrnehmung legte das Fundament für das gesamte moderne 3D-Fighting und beeinflusste direkt spätere Serien wie Tekken oder Soulcalibur. Die Figur Akira Yuki wurde zur Ikone, und Virtua Fighter erhielt eine ganze Reihe von Fortsetzungen, wobei der zweite Teil bis heute zu den angesehensten Prügelspielen seiner Zeit zählt.
Sega brachte das Spiel später auf die Saturn-Konsole, wo es als einer der Flaggschifftitel diente und als Beweis, dass die Heimhardware Polygonkämpfe bewältigt. Für viele Spieler war es der erste Kontakt mit einer Grafik, die es wagte, die flachen zweidimensionalen Welten zu verlassen.
Heute wirkt Virtua Fighter vielleicht karg, doch gerade in dieser Reinheit liegt seine Stärke. Keine effektvollen Spezialattacken, nur ein ehrliches Duell, in dem das Können entscheidet. Es ist ein historischer Meilenstein, der den Respekt eines jeden verdient, der Kampfspiele mag.
Warum spielen: Um am eigenen Leib die Geburt des 3D-Prügelspiels zu erleben, das das ganze Genre für Jahrzehnte prägte.
Spiel 60 von 258 für Arcade