Captive
Captive ist ein Action-Rollenspiel aus der Ich-Perspektive mit Sci-Fi-Setting, in dem der Spieler als Gefangener mit implantiertem Neurochip in Zellen voller weiterer inhaftierter Abenteurer erwacht und sie einen nach dem anderen befreien, ausrüsten und anschließend deren angeheuerte Roboter in von einem feindlichen Megakonzern kontrollierte Labyrinthe schicken muss, die über mehrere Planeten des Sonnensystems verstreut sind. Statt die Figuren direkt zu steuern, bedient der Spieler die meiste Zeit des Spiels die Roboterkörper der Gefangenen aus der Ferne, was dem Spiel im Vergleich zu klassischen Dungeon-Crawlern mit menschlichen Helden ein ungewöhnliches Gefühl von Distanz, Verletzlichkeit und dem Risiko verlieh, eine kostbare Maschine zu verlieren.
Auf dem Amiga kombinierte das Spiel ein flüssiges, schrittbasiertes Labyrinth ähnlich Dungeon Master mit einer offeneren Struktur mehrerer verbundener Planeten, zwischen denen man mit dem eigenen Raumschiff frei reisen konnte, sowie mit der schrittweisen Verbesserung der Roboterausrüstung durch gefundene Waffen, Rüstungen und technologische Upgrades. Die düstere Sci-Fi-Atmosphäre, unterstützt durch atmosphärische Musik und dunkle, detailliert gezeichnete Grafik der Labyrinthe und der Innenräume der Konzernbasen, verlieh dem Spiel eine markante Identität, die sich klar von den fantasy-geprägten Konkurrenten des Genres abhob. Die Notwendigkeit, nach und nach ein Team befreiter Gefangener aufzubauen und zu entscheiden, wen von ihnen man wohin schickt, fügte dem Spiel zudem eine Ebene der Planung hinzu, die über das bloße Durchqueren von Labyrinthen hinausging.
Captive wird oft für seine einfallsreiche Sci-Fi-Variante des damals beliebten Dungeon-Crawler-Genres geschätzt und für den Mut, ein klassisches schrittbasiertes Labyrinth mit dem strategischen Element der Verwaltung mehrerer Roboterkörper, ihrer Ausrüstung und der schrittweisen Befreiung weiterer Gefangener gleichzeitig zu verbinden, was das Spiel von geradlinigeren Fantasy-Konkurrenten seiner Zeit abhob. Auf dem Amiga zählte es zu den technisch und konzeptionell markanten Titeln und bleibt bis heute ein interessantes Beispiel dafür, wie das Genre lange vor dem Aufkommen vollständig dreidimensionaler Action-Rollenspiele mit seiner eigenen etablierten Formel experimentieren konnte.
Warum spielen: Für Fans von Dungeon-Crawlern bietet Captive eine mutige Sci-Fi-Variante mit der gleichzeitigen Verwaltung mehrerer Roboterkörper, ein interessantes Beispiel für das Experimentieren mit der Genre-Formel vor dem Aufkommen von 3D-Action-Rollenspielen.
Spiel 102 von 121 für Commodore Amiga