Little Nightmares
Little Nightmares brachte 2017 einen einstündigen Albtraum in Form eines Plattformers auf die Xbox One. Man spielt ein Mädchen im gelben Regenmantel namens Six, gefangen an Bord eines riesigen Schiffes namens The Maw, und besitzt nur ein Feuerzeug sowie die Fähigkeit zu rennen, sich an Kanten festzuhalten und sich zu verstecken. Der Fortschritt beruht auf einer Mischung aus vorsichtigem Schleichen und physikbasierten Rätseln — man zieht Stühle heran, um einen Türgriff zu erreichen, öffnet Schubladen als behelfsmäßige Stufen oder lenkt einen Feind mit einem geworfenen Gegenstand ab. Die Gegner sind monströs verzerrte Gestalten mit langen Armen oder blinden Augen, und man hat keine Verteidigung gegen sie, nur Verstecken und Schnelligkeit.
Die Stärke des Spiels liegt im Maßstab. Die Kamera hält Abstand, und die Szene besitzt eine starke Tiefenwirkung, sodass man ständig spürt, wie winzig man im Vergleich zu Möbeln, Küchentheken und den anderen Bewohnern des Schiffes ist. Die Umgebung erinnert an ein Puppentheater: weiches Licht, in der Luft schwebender Staub, leicht unscharfe Hintergründe und Materialien, die wirklich greifbar wirken. Auf der Xbox One hält das Spiel eine gleichmäßige Bildrate, und die dunkle Farbpalette steht ihm gut. Der Klang ist genauso wichtig wie das Bild — knarrendes Holz, Schritte über einem, schmatzende Lippen und schweres Atmen leisten mehr Arbeit als jede Musik, die nur in Schlüsselmomenten einsetzt und dadurch umso stärker wirkt.
Rezensionen hoben die Atmosphäre, die künstlerische Gestaltung und die Art hervor, wie das Spiel Angst erzeugt, ohne auf billige Schreckmomente zurückzugreifen; Kritik richtete sich vor allem auf gelegentlich ungenaues Springen aufgrund der dreidimensionalen Tiefe der Szene. Little Nightmares wurde zur Grundlage einer ganzen Reihe, die durch zusätzliche Kapitel und eine Fortsetzung erweitert wurde, und zeigte deutlich, dass ein Horror-Plattformer auch ohne Kampf funktionieren kann. Heute hält es sich noch sehr gut und bietet ein fokussiertes, rund vierstündiges Erlebnis, das nicht in die Länge gezogen wird. Auf der Xbox One zählt es zu den optisch besten Indie-Spielen seiner Generation und eignet sich ideal für einen einzelnen Abend, nach dem noch eine Weile ein unangenehmes Gefühl bleibt.
Spiel 99 von 204 für Xbox One