GRIS
GRIS ist ein kurzes Jump'n'Run, das sein gesamtes Erlebnis auf Bild, Musik und Gefühl aufbaut, nicht auf Herausforderung. Der Spieler begleitet ein junges Mädchen durch eine Welt, die zusammen mit ihr zerbrochen ist, und durchquert eine Landschaft, die nahezu farblos beginnt und mit jedem weiteren Abschnitt einen neuen Teil ihrer Palette gewinnt. Das Spiel verzichtet auf Dialoge, Texte und Missionsmarker und verlässt sich allein darauf, dass der Spieler aus der Komposition der Szene selbst versteht, wohin er gehen soll und was gerade geschieht. Das Thema ist offenkundig die Bewältigung von Verlust, doch das Spiel spricht es nie direkt aus und lässt die Deutung offen.
Das Gameplay ist bewusst konfliktfrei gehalten. Man kann nicht sterben, es gibt keine Gegner im üblichen Sinn und keine Zeitlimits; stattdessen springt, klettert und schwimmt der Spieler und löst anspruchslose Umgebungsrätsel. Nach und nach erhält sie neue Fähigkeiten, etwa die Verwandlung in einen schweren Steinblock, der Sturmböen widersteht und brüchige Oberflächen durchbricht, oder die Fähigkeit zu schwimmen und später in Strömungen zu navigieren. Jede Fähigkeit erschließt eine andere Art von Umgebung, und das Spiel führt sie ein, entfaltet sie und lässt sie innerhalb weniger Minuten wieder abklingen, sodass das Tempo stets in Bewegung bleibt.
Die audiovisuelle Umsetzung ist der Hauptgrund, warum das Spiel so viel Aufmerksamkeit erhielt. Die handgemalte Aquarellgrafik verbindet flächige Farbflächen mit feiner Animation und weiten Panoramen, in denen die Figur oft nur ein winziger Punkt in einer gewaltigen Szenerie ist. Auf der Switch sieht das Spiel sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus großartig aus, und der flüssige Ablauf unterstreicht den Eindruck eines gemalten Films. Die Musik der katalanischen Gruppe Berlinist mit Klavier, Streichern und weiblichem Gesang ist so eng auf die Szenen abgestimmt, dass sie oft genau im Moment des Bildschirmwechsels die Stimmung verändert. Die Kritik lobte das Spiel vor allem für seine Ästhetik und die einfühlsame Spielerführung, kritischere Stimmen bemängelten den geringen Schwierigkeitsgrad. Heute ist GRIS eines der meistzitierten Beispiele für ein Spiel, das als künstlerisches Erlebnis wahrgenommen wird, das sich an einem Abend durchspielen lässt und dennoch weit länger im Gedächtnis bleibt.
Spiel 93 von 188 für Nintendo Switch