Sherlock Holmes: Consulting Detective
Sherlock Holmes: Consulting Detective ist ein Detektivspiel, das auf Realfilm setzte, bevor das auf Konsolen üblich war. Man erhält drei Fälle im viktorianischen London sowie freien Zugang zu den Werkzeugen eines echten Ermittlers: ein Verzeichnis der Einwohner, einen Stadtplan, ein Zeitungsarchiv und die Möglichkeit, jeden aufzusuchen, der etwas wissen könnte. Jeder Besuch löst eine kurze Realfilmsequenz aus, in der ein Zeuge Fragen beantwortet, und es liegt ganz beim Spieler, aus den Bruchstücken einen Zusammenhang zusammenzusetzen. Das Spiel drängt zu nichts und bietet keine Hinweise — am Ende eines Falls setzt man sich zu einem Abschlusstest, bei dem man Fragen zum Täter und Motiv beantwortet, und die eigene Trefferquote wird mit Holmes' eigener Lösung verglichen.
Auf der Mega-CD bedeutete das Stunden komprimierten Videos in einem kleinen Fenster mit begrenzter Farbpalette, was einem heute als Erstes auffällt. Trotzdem hält die Produktion zusammen: Kostüme, Kulissen und schauspielerische Leistungen besitzen eine zeittypische theatralische Würde, und das gesprochene Wort trägt fast die gesamte Information, sodass die technische Bildqualität zweitrangig ist. Musik und Geräusche sind zurückhaltend, und Szenen werden oft nur von einem knisternden Kamin oder Straßenlärm begleitet. Gerade die Ruhe ist die größte Stärke — das Spiel erzeugt das Gefühl stiller Nachforschung an einem Schreibtisch voller Notizen statt eines Actionabenteuers.
Damals war dies einer der ersten Titel, mit denen die Mega-CD vorgestellt wurde, und die Kritiken waren gespalten: Konzept und Atmosphäre erhielten Lob, das kleine Videofenster und die fehlende Action dagegen Kritik. Dennoch ist es ein wichtiger Meilenstein — es zeigte, dass Realfilm dem Erzählen dienen kann und nicht bloß dem Effekt. Die Idee der freien Ermittlung ohne Zielmarker kehrte in modernen Detektivspielen zurück, die auf Archiven und Aufzeichnungen aufbauen. Heute wird das Spiel vor allem von jemandem geschätzt, der sich Papier und Stift greift und sich auf das langsame Zusammensetzen der Zusammenhänge einlässt. Wer Action oder zügiges Tempo erwartet, wird enttäuscht sein, doch als ruhiges Abendrätsel für zwei oder drei Leute vor einem Bildschirm funktioniert es nach wie vor hervorragend.
Spiel 24 von 29 für SEGA Mega-CD