Innsmouth no Yakata
Innsmouth no Yakata ist das eigenartigste Spiel der gesamten Virtual-Boy-Bibliothek und zugleich der einzige Versuch, das rote Display für genau das einzusetzen, wofür es sich am meisten anbot: für Angst. Der Titel basiert auf lovecraftschem Material rund um die Stadt Innsmouth und schickt den Spieler in ein Labyrinth aus Gängen, das aus der Ich-Perspektive gezeigt wird. Ziel jedes Stockwerks ist es, den Ausgang zu finden und zu entkommen, bevor die Zeit abläuft, während einen unterwegs Gegner belästigen, die es niederzuschießen gilt. Keine komplexen Mechaniken, keine Inventare, nur Fortschritt, Orientierung und die wachsende Nervosität bei dem Gedanken, sich im Kreis zu drehen, während die Uhr weiterläuft.
Gerade die Atmosphäre ist der Hauptvorzug. Das satte Rot auf Schwarz wirkt in einem dunklen Zimmer ungesund und klaustrophobisch, die Gänge sind eng und eintönig, sodass der Spieler schnell den Überblick verliert, wo er schon war, und die Stereoskopie hilft paradoxerweise dabei: Der Raum wirkt spürbar dreidimensional, zugleich aber leer und beengend. Das Zeitlimit auf jedem Stockwerk macht daraus ein Rennen, das kein vorsichtiges Erkunden erlaubt, und der Zwang, ständig zwischen Karte und Vorwärtsbewegung zu wechseln, hält die Spannung aufrecht. Das Bewegungstempo ist langsamer, als es ein heutiger Spieler erwarten würde, was manche abschreckt und anderen wie ein Teil der Horrorwirkung erscheint.
Das Spiel erschien nur in Japan und in geringer Stückzahl, weshalb es heute zu den am schwersten zu findenden Modulen dieser Plattform zählt und außerhalb von Sammlerkreisen kaum jemand von ihm weiß. Das damalige Echo war verhalten, denn technisch handelte es sich um einen einfachen Labyrinth-Shooter zu einer Zeit, als auf dem PC bereits Doom lief. Mit Abstand betrachtet beeindruckt aber, wie gut die begrenzte Palette der Hardware zur Horrorabsicht passt. Es ist ein kurzes Spiel für einen Abend, das man vor allem wegen der Erkenntnis ausprobieren sollte, dass selbst auf einer so eigenartigen Maschine wie dem Virtual Boy jemand versuchte, Angst zu erzeugen. Im Kontext einer Plattform, die sonst von Tennis, Bowling und Flipper geprägt wird, ist es der kühnste Abstecher, den ihre Bibliothek zu bieten hat, und genau deshalb genießt es unter Fans von Retro-Horror einen leisen, aber anhaltenden Ruf.
Spiel 13 von 13 für Nintendo Virtual Boy