Papo & Yo
Papo & Yo ist ein surreales Puzzle-Adventure, das in einem von brasilianischen Favelas inspirierten Armenviertel spielt und das der Spieler als Junge namens Quico an der Seite eines riesigen rosafarbenen Monsters erkundet, das an ein überdimensionales Spielzeug erinnert. Die Rätsel basieren auf der Manipulation der Umgebung, die sich auf magische Weise verwandelt – Häuser kippen um und werden zu Treppen, Gassen verschieben sich und verbinden sich neu, Wohnblocks drehen sich um die eigene Achse, und der Spieler muss die Umgebung entsprechend anpassen, um gemeinsam mit dem Monster voranzukommen. Das Monster selbst ist friedlich und verspielt, bis es giftige Frösche frisst, woraufhin es in unkontrollierbare Wut verfällt und für den Jungen lebensgefährlich wird.
Hinter dieser scheinbar märchenhaften Fassade verbirgt sich ein persönliches und dunkleres Thema – die Beziehung zu einem gewalttätigen, alkoholabhängigen Elternteil, das der Schöpfer des Spiels als autobiografische Metapher verarbeitete, die sich durch die gesamte Geschichte und die Spielmechaniken zieht. Dieser Subtext verleiht dem Spiel eine emotionale Wucht, wie man sie bei Puzzle-Adventures jener Zeit selten sah, und macht es eher zu einer einfühlsam erzählten persönlichen Geschichte als zu einem klassischen, rein auf Mechaniken ausgerichteten Rätselspiel.
Papo & Yo wurde seinerzeit besonders für den Mut gelobt, ein so persönliches und schwieriges Thema durch Symbolik und Spieldesign statt durch direkte Erzählung aufzugreifen. Es wurde zu einem der herausragenden Beispiele dafür, wie digital vertriebene unabhängige Spiele auf PlayStation Network inhaltlich weit über Großbudget-Konsolenproduktionen hinausgehen konnten. Der Titel wird bis heute als eines der emotional stärksten Erlebnisse seiner Generation auf der PlayStation 3 genannt, auch wenn man sich gewisser technischer Schwächen der damaligen unabhängigen Entwicklung bewusst ist.
Eine bunte Favela voller Graffiti, verwinkelter Gassen und improvisierter Bauten bildet die Kulisse, die auf den ersten Blick verspielt und kindlich wirkt, was den Kontrast zur Ernsthaftigkeit des dahinter verborgenen Themas noch verstärkt. Papo & Yo bleibt damit ein Beispiel für ein Spiel, dem es gelang, das Medium zu nutzen, um ein zutiefst persönliches Zeugnis auf eine Weise zu erzählen, die in einer anderen Kunstform kaum ebenso stark funktionieren würde.
Warum spielen: Wer ein Spiel sucht, das ein zutiefst persönliches Zeugnis eindringlicher erzählen kann, als es ein anderes künstlerisches Medium vermöchte, findet in Papo & Yo eines der eindrucksvollsten Beispiele auf der PlayStation 3.
Spiel 158 von 293 für Sony PlayStation 3