Enslaved: Odyssey to the West
Enslaved: Odyssey to the West erzählt den klassischen chinesischen Roman Die Reise nach Westen frei nach in einer postapokalyptischen Welt, in der die Zivilisation gefallen ist und Maschinen ohne menschliche Bedienung die Ruinen der Städte durchstreifen. Man spielt einen Kraftprotz mit dem Spitznamen Monkey, dem ein Mädchen namens Trip ein Sklavenhalsband anlegt. Stirbt sie, stirbt auch er, sodass ihm nichts anderes übrig bleibt, als sie durch das ganze Land nach Hause zu begleiten. Gerade aus diesem erzwungenen Duo erwächst das Beste am Spiel. Die Beziehung der beiden Figuren verändert sich im Laufe der Reise langsam und wird ungewöhnlich einfühlsam erzählt, mit hochwertiger Performance-Capture-Schauspielkunst.
Das Gameplay wechselt zwischen drei Modi. Kämpfe werden mit einem Teleskopstab geführt, der als Knüppel und als Fernwaffe mit betäubender und explosiver Munition dient, ergänzt durch Blocken und Ausweichen. Das Klettern durch die Ruinen ist geführt und funktioniert eher als filmische Verbindung zwischen Szenen denn als echte Herausforderung. Das dritte Element ist die Zusammenarbeit mit Trip, die mit einer holografischen Attrappe Aufmerksamkeit ablenken, mit einer Libelle die Umgebung erkunden oder Türen öffnen kann, während man sie deckt. Mehrfach kommt zudem eine Schwebeplattform hinzu, die für einen Tempowechsel sorgt.
Am stärksten ist das Spiel optisch. Statt grauer Verwüstung bietet es überwucherte Städte voller Grün, Blumen und Rost, in Sonnenlicht getaucht, was es zu einem der visuell eindrucksvollsten postapokalyptischen Spiele überhaupt macht. Die PS3-Fassung meisterte die weiten Ausblicke gut, wenn auch um den Preis gelegentlicher Ruckler. Die Musik ist kammermusikalisch und melodisch und hält zusammen mit der Sprachausgabe die Geschichte zusammen. Die Kritiken lobten gerade die Figuren und die optische Seite, bemängelten aber die einfacheren Kämpfe und die Linearität. Kommerziell floppte das Spiel, und eine Fortsetzung entstand nie. Heute lohnt es sich, es als Beispiel dafür auszuprobieren, dass auch ein mittelgroßer Action-Titel erwachsen erzählen kann. Die Länge von rund acht Stunden ist genau richtig, damit die Reise nicht abgedroschen wirkt, und das Ende gehört zu den meistdiskutierten seiner Zeit, weil es den Spieler mit einer Frage statt mit einer klaren Antwort zurücklässt.
Spiel 61 von 293 für Sony PlayStation 3