Papers, Please
Papers, Please versetzt den Spieler in die Kabine eines Grenzbeamten eines fiktiven osteuropäischen Staates und lässt ihn entscheiden, wer die Grenze passieren darf und wer nicht. Das Spiel wirkt karg: auf der einen Seite ein Schreibtisch mit Dokumenten, auf der anderen eine Schlange von Menschen. Doch die Regeln nehmen von Tag zu Tag zu, zunächst genügt die Prüfung eines Passes, dann kommt eine Arbeitserlaubnis dazu, ein Fingerabdruck, der Abgleich eines Fotos und schließlich eine Liste gesuchter Personen. Der Spieler muss unter Zeitdruck Angaben zwischen Dokumenten vergleichen, nach Unstimmigkeiten suchen und mit dem Stempel entscheiden, wobei jeder Fehler eine Verwarnung bringt und ein weiterer Verstoß den Lohn kürzt.
Gerade die Ökonomie macht aus dem Spiel etwas weit Unangenehmeres als bloße Fehlersuche. Für abgefertigte Personen gibt es Lohn, von dem Miete, Essen und Heizung für die Familie bezahlt werden, sodass langsames und sorgfältiges Entscheiden zu Hause Hunger bedeutet. Hinzu kommen persönliche Geschichten der Reisenden, Bestechungsangebote und der Druck einer Organisation, die vom Spieler verlangt, bewusst gegen die Regeln zu verstoßen. Das Spiel hat je nach Verhalten über mehrere Wochen mehrere verschiedene Enden. Die PS-Vita-Version erschien einige Jahre nach der Originalveröffentlichung und nutzt den Touchscreen für den Umgang mit den Dokumenten, was für dieses Spiel wohl die naheliegendste Steuerung überhaupt ist. Neben dem Hauptkampagnenmodus bietet das Spiel auch einen Endlosmodus, bei dem es nur um die längstmögliche fehlerfreie Schicht geht, sodass es sich auch nach dem Durchspielen lohnt zurückzukehren. Gerade dort zeigt sich, wie gut das gesamte Kontrollsystem austariert ist.
Die Optik ist bewusst grau und grob pixelig, die Musik erklingt nur sparsam, und die eigentliche Klangkulisse besteht aus dem Aufschlagen des Stempels und dem Rascheln der Papiere. Die Aufnahme fiel außerordentlich stark aus, und der Titel wurde zu einem der meistzitierten Beispiele dafür, dass ein Spiel ein politisches Thema durch die Mechanik selbst erzählen kann, nicht über Text. Der Einfluss auf die Welle von Spielen über Bürokratie und moralische Kompromisse ist bis heute deutlich spürbar. Auf der Vita ist es der ideale Titel zum häppchenweisen Spielen, ironischerweise genau so, wie das Spiel sich selbst rahmt.
Spiel 114 von 122 für Sony PlayStation Vita