Sega Bass Fishing
Angeln als Adrenalinsport? Auf den ersten Blick ein Widerspruch – und doch schaffte Sega Bass Fishing genau das und machte aus einem geduldigen Hobby einen flotten Arcade-Spaß, bei dem einem bei jedem Anbiss das Herz pocht.
Das Spiel gehört zu jener spezifischen Sega-Schule der Arcade-Simulationen, in der der Realismus einem sofortigen, verständlichen Genuss weicht. Statt stundenlangen Wartens über einer reglosen Oberfläche geht es hier um schnelle Reaktionen: auswerfen, im richtigen Moment anhauen und dann einen Kampf mit einem Fisch austragen, der zappelt, die Richtung wechselt und sich loszureißen versucht. Die Schnur hat ihre Spannung, die Rute ihre Grenze, und ihr lernt zu fühlen, wann man nachgibt und wann man einholt.
Auf dem Dreamcast war das Spiel mit einem Angel-Controller in Form einer Rolle verbunden, der dem Erlebnis eine physische Dimension hinzufügte – ihr habt den Köder mit Bewegung gelenkt und das Drehen der Rolle selbst in der Hand gespürt. Doch auch mit einem klassischen Pad funktioniert das Prinzip und bewahrt seinen flotten, leicht unverbindlichen Charakter.
Der Plattform-Kontext ist hier wichtig: Der Dreamcast war eine Konsole, die gerne Arcade-Automaten direkt ins Wohnzimmer brachte, und das Angeln in dieser Fassung fügte sich perfekt in die Philosophie der sofort greifbaren Unterhaltung ein. Ihr müsst keine Regeln kennen – ihr setzt euch hin und angelt binnen einer Minute.
Es ist ein Titel, der am besten einfängt, warum Sega damals den Ruf eines Schöpfers unerwartet fesselnder Spiele aus spielfremden Themen hatte. Unter der anspruchslosen Oberfläche verbirgt sich eine überraschend befriedigende Schleife aus Fangen, Verbessern und Übertreffen der eigenen Rekorde.
Warum spielen: Flottes Arcade-Angeln, das aus einem geduldigen Hobby eine unerwartet spannende und fesselnde Unterhaltung für ein paar Minuten oder einen ganzen Abend macht.
Spiel 23 von 54 für SEGA Dreamcast