Jet Set Radio
Kaum ein Spiel sah im Jahr 2000 so anders aus wie Jet Set Radio. Während der Rest der Branche möglichst realistische Polygone jagte, kam Sega mit einer comichaft stilisierten Welt, die wie ein bewegtes Plakat aussah — und veränderte damit die Vorstellung davon, wie ein Videospiel überhaupt aussehen kann.
Das Spiel des Studios Smilebit war einer der Pioniere des Cel-Shadings, einer Technik, dank derer 3D-Modelle wie handgezeichnete Zeichnungen mit markanten Konturen wirken. Dieser Moment löste eine ganze Welle von Nachahmern und stilisierten Spielen aus, die die Jagd nach Fotorealismus zugunsten des künstlerischen Ausdrucks aufgaben. Optisch hält Jet Set Radio bis heute eine Frische, die realistische Titel jener Zeit längst verloren haben.
Das Gameplay ist so rebellisch wie der Look. Du spielst eine Bande junger Inline-Skater, die durch die Straßen eines stilisierten Tokio pflügen, Graffiti an Wände und Werbeflächen sprühen und dabei der Polizei und rivalisierenden Gangs entkommen. Die Kombination aus flüssigem Fahren, Tricks und rhythmisch richtigem Sprühen verleiht dem Spiel ein eigenständiges, fast tänzerisches Tempo.
Eine unverzichtbare Rolle spielt der Soundtrack von Hideki Naganuma, der Funk, Hip-Hop und Electronica zu einer einzigartigen Klangcollage mischt. Die Musik ist hier ebenso wichtig wie die Steuerung — sie gibt Stimmung, Energie und Tempo der ganzen Straße vor und wurde zu einem der charakteristischsten Elemente des gesamten Spiels.
Jet Set Radio wurde zur Stil-Ikone der Ära und zu einem Kulttitel, der den kommerziellen Erfolg überstieg. Sein Einfluss auf die visuelle Sprache der Spiele ist bis heute spürbar, und das Spiel erhielt Neuauflagen, die ihm die Türen zu neuen Spielern öffneten.
Warum spielen: Für den unverwechselbaren Stil, die rebellische Atmosphäre und einen Soundtrack, der das Skaten durch Tokio zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.
Spiel 5 von 54 für SEGA Dreamcast