Ikaruga
Es gibt eine Handvoll Spiele, über die unter Fans in gedämpftem, fast heiligem Ton gesprochen wird – und Ikaruga ist eines davon. Dieser vertikale Shooter des legendären Studios Treasure ist der geistige Nachfolger des verehrten Radiant Silvergun und gilt bis heute als einer der angesehensten modernen Shmups überhaupt. Er erschien zunächst 2001 als Arcade, um 2002 auch auf den Dreamcast zu kommen.
Kern des gesamten Erlebnisses ist eine geniale Polaritätsmechanik. Dein Schiff schaltet zwischen zwei Zuständen um – Schwarz und Weiß – und diese Wahl verändert absolut alles. Kugeln der eigenen Farbe verletzen dich nicht, im Gegenteil, du absorbierst sie und lädst dir damit einen starken Angriff auf, während Gegner der entgegengesetzten Farbe doppelten Schaden nehmen. Aus dem, was anderswo ein chaotischer Bullet-Hell wäre, wird so ein Spiel, das eher an ein Logikpuzzle in Echtzeit erinnert.
Jeder Bildschirm ist eine sorgfältig entworfene Sequenz, die du zu lesen, vorherzusehen und zu meistern lernst. Das Spiel belohnt zudem das Verketten von Gegnern in Dreiergruppen derselben Farbe mit Bonuspunkten, was die Jagd nach dem Highscore zu einer eigenen Disziplin macht, in die sich Spieler jahrelang eingraben. Bei Ikaruga geht es weniger um Reflexe als um Rhythmus, Planung und eine fast meditative Konzentration.
Optisch ist es ein klares, elegantes Spiel, bei dem der Kontrast von Schwarz und Weiß nicht nur Ästhetik, sondern unmittelbar das Spielprinzip ist. Treasure war dafür berühmt, Action um eine einzige, zur Perfektion getriebene Idee herum aufzubauen, und Ikaruga ist vielleicht der beste Beweis für diesen Ansatz – minimalistisch in der Grundidee, unendlich tief in der Umsetzung.
Genau deshalb baute sich das Spiel eine Kultstellung auf und erschien im Lauf der Jahre auch auf weiteren Plattformen, wo es eine neue Spielergeneration fand. Für die Shmup-Gemeinde bleibt es eine Art Maßstab, an dem andere Spiele des Genres gemessen werden.
Warum spielen: Ein meisterhafter Shmup von Treasure, bei dem die Polaritätsmechanik den Bullet-Hell in ein elegantes Rätsel verwandelt – einer der tiefsten und angesehensten Vertreter des Genres.
Spiel 12 von 54 für SEGA Dreamcast
Derselbe Titel woanders (1)
Die SEGA-Dreamcast-Fassung erschien nur in Japan und bietet dank einer Hardware, die eng an das NAOMI-Arcade-System angelehnt ist, auf dem Ikaruga ursprünglich lief, ein Erlebnis, das dem Automaten praktisch gleicht — dieselbe Flüssigkeit, dieselben Farben, derselbe Klang. Die Nintendo-GameCube-Fassung erschien etwas später und brachte das Spiel als erste auch außerhalb Japans heraus, wodurch sie zur Version wurde, die die meisten westlichen Spieler kennen; grafisch und spielerisch unterscheidet sie sich kaum vom Dreamcast-Vorbild. Der Unterschied liegt also vor allem in Verfügbarkeit und Region, nicht in der Qualität — beide gelten als nahezu identische, hervorragende Umsetzungen eines der angesehensten vertikalen Shooter überhaupt.