Dungeon Master
Dungeon Master ist ein Echtzeit-RPG-Dungeon-Crawler, der 1987 auf dem Atari ST startete und ein Jahr später auf dem Amiga ankam, wo er zu einem der technisch am meisten bewunderten Titel der Plattform wurde. Der Spieler stellt eine vierköpfige Abenteurergruppe zusammen, die eingesperrt in Zellen unter einem Berg gefunden wird, und bewegt sich durch ein Gewirr von Gängen, dicht gefüllt mit Fallen, Rätseln mit Knöpfen und Druckplatten, Falltüren sowie allerlei Monstern, von Riesenfliegen bis zu kriechenden Schleimen. Die Bewegung erfolgt Schritt für Schritt mit Drehungen um neunzig Grad, doch Kämpfe, Zaubersprüche und Essenszubereitung laufen in Echtzeit ab, sodass der Gegner nicht wartet, bis der Spieler die richtige Waffe gewählt oder einen Zauberspruch aus Runen zusammengesetzt hat.
Auf dem Amiga nutzte das Spiel die volle Farbpalette und die Prozessorgeschwindigkeit der Maschine, um das Labyrinth aus der Ich-Perspektive flüssig darzustellen, was damals nahezu revolutionär wirkte; Musik und Geräusche untermalten die düstere Atmosphäre der Verliese voller Skelette, Zombies und magischer Fallen, während die Figuren Hunger, Müdigkeit und Ausrüstungsverschleiß im Blick behalten mussten. Das auf dem Zusammensetzen von Runen zu Silben basierende Magiesystem gehörte zu den originellsten Elementen des Spiels und inspirierte zusammen mit der mausgesteuerten Oberfläche eine ganze Generation späterer Dungeon-Crawler, von Eye of the Beholder bis zum viel späteren Legend of Grimrock.
Die zeitgenössischen Reaktionen waren begeistert, für viele wurde das Spiel zu einem Grund, sich einen Heimcomputer anzuschaffen, und auf dem Amiga gehörte es lange zu den meistverkauften Titeln des Genres. Der Einfluss des Spiels zeigt sich daran, wie viele Studios versuchten, seine Formel aus schrittweisem Labyrinth und flüssigen Kämpfen nachzuahmen, und mehrere von ihnen bekannten sich offen zu Dungeon Master als ihrem Vorbild. Auch heute wird Dungeon Master für sein durchdachtes Leveldesign, das Gefühl echter Erkundung eines unbekannten Untergrunds und die Befriedigung beim schrittweisen Enträtseln seiner Tricks geschätzt, auch wenn sein Tempo und die Notwendigkeit, die Karte von Hand auf Papier zu zeichnen, den heutigen Spieler ausbremsen können.
Warum spielen: Für Spieler mit einer Vorliebe für durchdachtes Leveldesign und das Gefühl echter Erkundung eines Untergrunds ist Dungeon Master immer noch eine enorme Befriedigung, auch wenn das langsamere Tempo und das manuelle Kartieren Geduld erfordern.
Spiel 93 von 121 für Commodore Amiga