Siren: Blood Curse
Siren: Blood Curse ist eine Neuauflage des japanischen Horrorspiels Siren für die PlayStation 3 und zugleich eines der härtesten Erlebnisse, die die Konsole zu bieten hatte. Ein amerikanisches Fernsehteam reist in das abgelegene Bergdorf Hanuda, um eine Reportage über einen örtlichen Kult zu drehen, doch das Ritual, das sie ungewollt unterbrechen, stellt die ganze Gegend auf den Kopf. Eine rote Flut überschwemmt die Landschaft, die Zeit zerfällt, und die Bewohner verwandeln sich in Shibito, Tote, die gehen, sprechen und sich noch daran erinnern, wie man ein Gewehr benutzt. Die Erzählung ist in zwölf Episoden im Stil einer Fernsehserie aufgeteilt, zeitlich durcheinandergewürfelt und aus der Sicht mehrerer Figuren geschildert, sodass sich die Zusammenhänge erst im Nachhinein zusammensetzen.
Die zentrale Mechanik ist der Sightjack, das Einklinken in die Sicht der Feinde. Man drückt eine Taste, tastet sich wie mit einem Radio durch Frequenzen und sieht plötzlich die Welt durch die Augen eines patrouillierenden Shibito. Je nachdem, wohin dieser blickt und sich bewegt, plant man den eigenen Weg. Die meisten Figuren können sich nicht wehren, daher basiert das Spiel auf Schleichen, Kauern im Dunkeln, Wechseln zwischen Deckungen und Ablenken der Aufmerksamkeit. Getötete Gegner bleiben zudem nicht dauerhaft am Boden, ein niedergestreckter Feind steht nach einer Weile wieder auf, wodurch jeder Fehler zu einem langfristigen Problem wird. Das Ergebnis ist ein Horror, der auf Hilflosigkeit statt auf Schießereien beruht.
Technisch nutzte das Spiel die PS3 für realistischere Charaktermodelle und vor allem für den Umgang mit Dunkelheit, in der der Lichtkegel der Taschenlampe nur einen schmalen Ausschnitt der Welt offenbart. Der Sound ist entscheidend: das Stöhnen der Shibito, Schritte auf Kies und die japanische Sprachausgabe mit ihrem bedrückenden Unterton erzeugen eine Beklemmung, die selbst zwischen den Konfrontationen nicht nachlässt. Ursprünglich erschien das Spiel episodenweise im digitalen Store, ein für 2008 ungewöhnliches Experiment. Die Kritik lobte Atmosphäre und Originalität, bemängelte aber die verwirrende Steuerung und den stellenweise gnadenlosen Schwierigkeitsgrad. Heute genießt Siren: Blood Curse Kultstatus bei Spielern, denen moderner Horror zu zahm erscheint. Es ist kein Spiel, das man an einem Abend durchspielt, doch wer sich auf seine Regeln einlässt und lernt, Feinde zu beobachten, bevor man sich bewegt, bekommt eine Spannung geboten, wie man sie im Genre nur selten findet.
Spiel 55 von 293 für Sony PlayStation 3