Biomotor Unitron
Biomotor Unitron war für Besitzer des Neo Geo Pocket Color der erste Beweis, dass auf ihrer Konsole ein vollwertiges japanisches Rollenspiel laufen kann. Der Spieler wird zu einem jungen Meister, der Kampfmaschinen namens Unitronen baut und verbessert und mit ihnen in unterirdische Labyrinthe zieht, um Aufträge zu erfüllen. Die Struktur ist einfach und macht süchtig: In der Stadt nimmt man einen Auftrag an, ergänzt die Ausrüstung, steigt in einen Dungeon hinab, kämpft sich bis zum Ziel durch und kehrt mit Beute und Geld für weitere Verbesserungen zurück. Genau dieser Kreislauf macht das Spiel zum idealen Begleiter für kurze wie lange Sitzungen.
Der Kern des Vergnügens liegt im Bau der Maschine. Ein Unitron setzt sich aus einzelnen Teilen zusammen, also Rumpf, Gliedmaßen, Kopf und Waffen, und jede Kombination verändert nicht nur die Werte, sondern auch die verfügbaren Angriffe. Die Kämpfe sind rundenbasiert und finden in einer kleinen Arena statt, in der die Entfernung zum Gegner eine Rolle spielt, sodass die Wahl zwischen Nah- und Fernkampfwaffe unmittelbare Auswirkungen hat. Der Schmied in der Stadt kann Teile verbessern und verschmelzen, wodurch jeder Besuch zu einem kleinen Optimierungsrätsel wird. Die Dungeons sind zufallsgeneriert, was dafür sorgt, dass dem Spiel nicht der Stoff ausgeht, bedeutet aber auch, dass ein wesentlicher Teil des Reizes auf der Lust beruht, die eigene Zusammenstellung endlos zu feilen.
Optisch handelt es sich um eine saubere und angenehme Arbeit, mit ausdrucksstarken Charakterporträts in Dialogen und übersichtlichen Kampfszenen, in denen die Maschinen in voller Pracht zu sehen sind. Die Musik wechselt zwischen ruhigeren Stadtmotiven und spannungsgeladeneren Schleifen im Untergrund und hält auch nach Stunden noch gute Laune. Damals wurde das Spiel als wichtiges genretechnisches Fundament der jungen Plattform wahrgenommen und als Titel, der zeigt, dass sich die Handheld-Konsole von SNK nicht nur an Fans von Prügelspielen richtet. Heute wirkt es etwas schlicht, doch sein Kern, also die ständige Verbesserung des eigenen Roboters, gehört zu der Art von Unterhaltung, die nicht altert. Zudem verträgt das Spiel Unterbrechungen gut, da man nach jedem Abstieg in den Untergrund aufhören kann, ein Vorzug, den man bei einem Handheld-Titel schon am ersten Tag zu schätzen weiß. Es hält über Dutzende Stunden durch, ohne sie auf einmal einzufordern.
Spiel 16 von 23 für Neo Geo Pocket Color