Alternate Reality: The City
Alternate Reality: The City bot auf dem Atari 800 ein ungewöhnlich ambitioniertes Open-World-Rollenspiel, in dem sich der Spieler als entführter Erdling in einer Fantasy-Metropole wiederfindet und überleben muss, ohne von einer Abwärtsspirale aus Hunger, Müdigkeit, Krankheit und Feinden verschlungen zu werden, die in den Straßen und dunklen Winkeln lauern. Das Spiel legte Wert auf die Simulation des Alltagslebens der Figur – man musste essen, schlafen, durch Arbeit oder Diebstahl Geld verdienen, sich bei Heilern behandeln lassen und Beziehungen zu den Stadtbewohnern aufbauen, die auf Verhalten und Ruf der Spielfigur reagierten – ein Mitte der 1980er Jahre ungewöhnlich offener Designansatz für Rollenspiele, der auf Entscheidungsfreiheit statt linearem Geschichtsverlauf setzte.
Auf dem Atari 8-Bit nutzte das Spiel eine flüssige, farbige Darstellung der Straßen aus der Ich-Perspektive und eine recht reichhaltige Palette an Orten von Wirtshäusern über Tempel und Arenen bis zu unterirdischen Kanalisationen, was zusammen den Eindruck einer lebendigen, wenn auch nichtlinearen Stadt mit eigenem Tag-Nacht-Zyklus erzeugte. Das Fehlen einer festen Hauptaufgabe war damals ungewöhnlich – das Spiel bot eher Entdeckungsfreiheit als eine geführte Handlung, was von den Spielern eigene Initiative, Experimentierfreude und die Bereitschaft verlangte, Gefahren ohne klares Ziel oder vorgegebene Aufgabenreihenfolge zu riskieren.
Alternate Reality wird bis heute als eines der frühen Beispiele für Open-World-Design in Rollenspielen genannt, das die späteren Simulationsambitionen des Genres vorwegnahm, auch wenn die geplanten Fortsetzungen der Serie, die die Welt jenseits der Stadt selbst beschreiben sollten, letztlich nie im ursprünglich angedachten Umfang fertiggestellt wurden, den die ersten Teile der Serie andeuteten. Auf dem Atari 800 bleibt das Spiel gerade wegen seiner Unkonventionalität und der Atmosphäre einer wirklich lebendigen Stadt interessant, auch wenn Orientierung und Überleben ohne Komplettlösung heute spürbar schwierig sind und sich der Spieler vor allem auf eigene Notizen und die systematische Erkundung der einzelnen Viertel verlassen muss.
Warum spielen: Für Fans von frühem Open-World-Design, die die Atmosphäre einer wirklich lebendigen Stadt zu schätzen wissen – die Orientierung ohne Komplettlösung ist heute spürbar schwierig, doch die Unkonventionalität des Spiels ist die Mühe wert.
Spiel 67 von 124 für Atari 800 / 8-bit