Gaiares
Manche Ballerspiele versuchen, einen schon ab dem allerersten Pixel zu toeten. Gaiares geht noch weiter: Es gibt einem eine Waffe, die man dem Gegner buchstaeblich stehlen muss, und erst dann beginnt es, einen mit voller Wucht zu verdreschen.
Gaiares ist ein horizontaler Shoot 'em up fuer das SEGA Mega Drive, und sein groesster Reiz ist ein System namens TOZ. Man feuert eine kleine Einheit in Richtung eines Gegners, sie absorbiert dessen Waffensystem, und man macht sich das jeweilige Geschoss dann zu eigen. Statt vorgegebene Power-ups zu sammeln, stiehlt man den Gegnern buchstaeblich das Arsenal, was jeden Kampf zu einem taktischen Spiel darum macht, wen man wann beraubt.
Diese Mechanik verleiht dem Spiel unerwartete Tiefe. Verschiedene Gegner bieten verschiedene Feuerarten, sodass der Spieler staendig abwaegt, welche Ausruestung er in die naechsten Kaempfe und gegen die Bosse mitnehmen will. Ansonsten ist es ein harter, schneller Baller in der Manier der Genreklassiker der damaligen Zeit, mit dichten Gegnerwellen und riesigen Endgegnern, die Reflexe wie Nerven pruefen.
Optisch reiht sich Gaiares unter die ehrgeizigeren Titel der Konsole ein. Die Hintergruende sind detailliert, die Effekte reichhaltig, und das Spiel versucht zu zeigen, was das Mega Drive im grossen Massstab kann. Zusammen mit dem hohen Schwierigkeitsgrad macht es das zu einem Titel, der einen testet und nichts umsonst gibt.
Dank des originellen Waffendiebstahlsystems und seines Anspruchs baute sich Gaiares unter Shmup-Fans den Ruf eines ueberdurchschnittlichen, technisch versierten Ballers auf. Es ist vielleicht nicht der erste Name, der einem bei der Erwaehnung des Genres einfaellt, doch Kenner reihen es unter die interessanten und ehrlich gestalteten Titel der Mega-Drive-Bibliothek ein, zu denen sich eine Rueckkehr lohnt.
Warum spielen: Fuer das clevere System des Stehlens gegnerischer Waffen, das einem klassischen Baller eine zusaetzliche taktische Dimension verleiht.
Spiel 90 von 151 für SEGA Mega Drive