Shining in the Darkness
Stellen Sie sich ein in der Ich-Perspektive gezeichnetes Labyrinth vor, in dem jeder Schritt ins Dunkel der letzte sein könnte. Shining in the Darkness wirft Sie in die Rolle eines jungen Helden, dessen Vater, ein Hofritter, bei der Suche nach einer entführten Prinzessin verschwand. Ihnen bleibt nur eines: in das weitläufige unterirdische Labyrinth hinabzusteigen und mit Antworten zurückzukehren. Und in jener Dunkelheit lauert mehr als nur Ungeheuer.
Das Spiel ist ein klassischer Dungeon Crawler im Geiste von Wizardry und Dungeon Master, bei dem man sich auf einem quadratischen Raster in der Ich-Perspektive bewegt und die Kämpfe rundenbasiert ablaufen. Das Kartieren der Gänge, das Suchen versteckter Türen und Geheimgänge sowie das Verwalten der Zauber und Ausrüstung einer Dreiergruppe bilden den Kern des Erlebnisses. Auf dem Mega Drive, einer eher für Action und Tempo bekannten Plattform, wirkte ein derart bedächtiges, methodisches Spiel wie eine Seltenheit und stach dadurch umso mehr hervor.
Entwicklungsgeschichtlich ist der Titel als der eigentliche Anfang der Marke Shining wichtig, die später durch die taktischen rundenbasierten Strategien von Shining Force berühmt wurde. An der künstlerischen Seite war Yoshitaka Tamaki beteiligt, und der charakteristische Anime-Stil der Serie erhielt hier seine Grundlage. Die Musik komponierte Motoaki Takenouchi. Das Spiel erschien Anfang der Neunziger und trug in Japan einen Titel, der auf das heilige Schwert verwies, um das sich die Geschichte dreht.
Kulturell ist Shining in the Darkness gerade wegen seiner Rolle als Wegbereiter interessant. Während sich die späteren Teile der Serie strategischen Schlachten auf großer Karte zuwandten, bewahrt dieses erste Stück die intime, klaustrophobische Atmosphäre des Verlieses. Für Fans japanischer RPGs auf der Sechzehn-Bit-Konsole ist es einer der wenigen reinrassigen Dungeon Crawler, die es überhaupt auf das Mega Drive geschafft haben, und damit ein wertvolles Stück für die Sammlung.
Das Spiel schont den Spieler nicht. Das Labyrinth ist weitläufig, die Gegner wissen zu quälen, und der Tod schickt Sie zurück in die Stadt zum Tempel, wo Sie sich heilen und Vorräte auffüllen. Gerade dieser Rhythmus des vorsichtigen Vorrückens, der Rückkehr zum Auffüllen der Kräfte und des erneuten Abstiegs eine Ebene tiefer verleiht dem Spiel seine eigentümliche Spannung, die heute vor allem Liebhaber der alten Schule zu schätzen wissen.
Warum spielen: Wenn Sie die Wurzeln der berühmten Shining-Serie erleben wollen und eine Schwäche für ehrliche Ego-Dungeon-Crawler haben, wird Sie diese düstere Expedition hineinziehen.
Spiel 94 von 151 für SEGA Mega Drive